Du bist hier:

Schrothkur

Schrot ohne den Buchstaben h bezeichnet grob gemahlenes Getreide, aber als Schrothkur wird eine spezielle Fastenmethode nach dem Namen des Erfinders bezeichnet.
Die Schroth-Kur wurde vor 150 Jahren von dem Fuhrmann Johann Schroth als natürliche Heilmethode entwickelt, die durch Heilfasten die Selbstheilungskräfte mobilisieren und sich als Ganzheitsmethode positiv auf Körper, Geist und Seele auswirken soll. In der Bundesrepublik Deutschland wird die Schroth-Kur in verschiedenen Sanatorien und Kureinrichtungen angeboten. Neben der “klassischen”, hier dargestellten Kur, gibt es noch mehrere weitere Varianten.

Methode
Die Schrothkur wird in Kliniken 3 bis 4 Wochen lang unter ärztlicher Betreuung durchgeführt. Indikationen sind Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gicht, Erkrankungen der Verdauungsorgane und Rheuma. Die mit der Schroth-Kur zugleich erreichte Gewichtsabnahme ist eine Begleiterscheinung der sogenannten “Entschlackung”.
Das Prinzip der Schroth-Kur beruht auf der inneren und äußeren “Entgiftung” und “Entschlackung” und wird durch die Kombination des Heilfastens mit der äußeren Anwendung feuchter Wärme erreicht.
Die Schroth-Kur gliedert sich in 3 Bereiche:

Heilfasten:
Durch eine einseitige und reizlose Kurkost wird die Regeneration des gesamten Verdauungssystems erreicht. Im Angebot stehen Reis-, Gries- und Haferspeisen, evtl. ergänzt durch etwas Gemüse, Petersilie und Schnittlauch. Trockene, ungesalzene Brötchen können täglich in unbegrenzter Menge verzehrt werden, daneben sind Toast und Leinsamenbrot erlaubt. Kräuterwein und Pflaumen regulieren die Darmtätigkeit.
Wechsel von Trocken- und Trinkfasten:
Drei “Trockentage”, an denen höchstens ein achtel Liter Wein zugelassen wird, wechseln sich mit je zwei “kleinen” und “großen Trinktagen” ab, an denen zwischen einem halben und einem Liter Wein getrunken werden darf. Wein ist ein leicht verwertbarer Energiespender und stabilisiert die Psyche, so heißt es.
Der Schroth‘sche Dunstwickel:
Feuchtwarme Wickel dienen der “Entschlackung” des Körpers über die Haut.

Beurteilung
Der fast ausschließliche Verzehr von trockenen Brötchen, gelegentlich ergänzt durch Getreidebrei und Gemüse, sowie die drastische Flüssigkeitseinschränkung sind eine enorme Stoffwechselbelastung.
Von einer mehrwöchigen Durchführung muss abgeraten werden, da mit Mangelerscheinungen an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen zu rechnen ist, zumal die Einnahme von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten unterbleiben soll. Die geringe Flüssigkeitszufuhr widerspricht den heutigen Kenntnissen der Ernährungswissenschaften und ist nicht zu verantworten (die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt bei Reduktionsdiäten eine Flüssigkeitszufuhr von mehr als 2 Litern Wasser pro Tag!). Die Empfehlung, an “Trinktagen” Wein zu trinken, ist völlig unakzeptabel, zumal Alkohol eine harntreibende Wirkung hat.
Der Begriff “Entschlackung” ist konventionell-wissenschaftlich nicht begründbar. Im menschlichen Körper gibt es bei normaler Stoffwechselfunktion keine Ansammlung von “Schlacken” oder Stoffwechselendprodukten. Nicht verwertbare Stoffwechselprodukte werden bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr täglich über Niere, Haut und Lungen ausgeschieden.
Positiv zu bewerten sind allerdings die Anleitungen zur richtigen Ernährung für die Folgezeit nach der Kur.

Top