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Kindersichere Wohnung

Machen Sie Ihre Wohnung kindersicher!
Jährlich verunglücken in der Bundesrepublik fast 350.000 Kinder bei Unfällen im Haushalt; doch gut zwei Drittel dieser Unfälle könnten verhindert werden. Wir sollten die Wohnung einmal gründlich aus dem Blickwinkel der Jüngsten unter die Lupe nehmen. Es gilt, die besonderen Bedürfnisse von Kindern zu berücksichtigen und möglicherweise gefährlichen Situationen zu erkennen.

Generell gilt: Kinderaugen sehen weniger
Das Gesichtsfeld eines Kindes ist gegenüber dem eines Erwachsenen um etwa 30 Grad eingeschränkt. Was wir also noch im Augenwinkel wahrnehmen, sehen Kinder einfach nicht.

Auch der Wechsel zwischen Ferne und Nahbereich funktioniert bei jungen Augen noch nicht so schnell, so dass die Kleinen zwischendurch quasi ins Leere gucken. Und das stereoskope Tiefensehen, das die Einschätzung von Entfernungen möglich macht, ist erst in einem Alter von neun Jahren vollständig entwickelt.

Sturz von der Wickelkommode

Damit ihre Entdeckerfreude die Sprösslinge nicht in tückische Fallen laufen lässt, müssen Eltern vom ersten Tag an zu Hause für Sicherheit sorgen. Selbst bei einem Baby, das sich kaum bewegt und längst noch nicht krabbeln kann, gilt:
Behalten Sie den Nachwuchs immer im Auge, und lassen Sie sich nicht ablenken. Stürze von der Wickelkommode – nachdem es z.B. an der Tür klingelte und Mutter oder Vater nur für einen Moment aus dem Raum gingen – passieren leider immer wieder.

Gefahrenzone Küche

Was zum Beispiel auf einem Tisch liegt, den man nicht überblicken kann, weckt Neugier und ist für Kinder zunächst viel aufregender als für uns. Nur muss sich der Nachwuchs, wenn er Einblick gewinnen will, meist erst einmal auf eine riskante Klettertour über recht ansehnliche Höhen einlassen.

Um das Risiko unterschiedlicher Perspektiven zu verdeutlichen, hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Kindersicherheit eine “Riesenküche” auf die Ausstellungsreise geschickt. Herd, Schränke, Arbeitsflächen sowie ein Tisch und Stühle wurden in größeren Dimensionen als normal nachgebaut. Ein Erwachsener hat dadurch vor den Möbeln praktisch die Größe eines Lauflernkindes.

Die Vielfachfalle Herd

Wenn etwas Leckeres auf dem Herd dampft und brutzelt, wird jeder neugierig. Und da man als Kind eben nicht so einfach in die Töpfe und Pfannen gucken kann, wird schnell mal nach den Griffen und Stielen gefasst und das Ganze heruntergezogen. Deshalb sollen möglichst immer nur die hinteren Kochfelder benutzt und auch die Stiele nach hinten gedreht werden.

Noch mehr Sicherheit bieten Herdgitter, durch die Kinder keine Töpfe und Pfannen mehr vom Feuer ziehen können. Es gibt unterschiedliche Konstruktionen, die man schnell installieren kann. Manche lassen sich sogar vor und nach dem Kochen herunterklappen und schützen in dieser Zeit die Bedienteile vor unerlaubtem Einschalten.

Gerade für kleine Kinder können auch Backofentüren heimtückische Fallen sein. Bei den modernsten Geräten sind zwar Scheibe und Tür relativ gut isoliert. Doch auch bei manchen neueren Geräten heizen sich einzelne Teile stark auf und werden zu kochend heißen Oberflächen. Deshalb gibt es auch für Backofentüren Schutzgitter. Man sollte darauf achten, dass nicht nur die Scheibe, sondern auch die heißen Bereiche daneben und darüber sowie Griffe und Abluftbereiche ausreichend abgedeckt werden.

Von uns überprüfte Modelle konnten zum Teil zwar in der Breite nicht aber in der Höhe verstellt werden und ließen Zonen frei. Zudem war manches Produkt schlecht verarbeitet, und man konnte sich leicht an hervorstehenden Schrauben verletzen. Es empfiehlt sich deshalb, Herde und Schutzgitter grundsätzlich im Laden auszuprobieren.

Zusatzsicherung: das Schloss in der Schranktür

In den ersten Jahren verbringen Kinder besonders viel Zeit in der Küche, dem Zentrum des Familienlebens. Doch gerade in diesem Raum bestehen besonders große Unfallrisiken. Um scharfe Küchenwerkzeuge, aggressive Reiniger und andere gefährliche Substanzen von Kindern fernzuhalten, gibt es Sicherheitsriegel für Schubladen und Schranktüren, die nur mit zwei Händen oder einer trickreichen Fingerbewegung zu öffnen sind.

Manche Kinder lernen jedoch schnell, wie die einfachen Mechanismen funktionieren. Damit ist dann plötzlich der Schutzeffekt, auf den man sich lange Zeit fast blind verlassen hat, total verloren. Aufwändigere Maßnahmen wiederum können für die alltägliche Hausarbeit sehr hinderlich sein.

Ein von uns getestetes Schrankschloss aus dem Versandhaus Baby-Walz war nicht nur kompliziert zu bedienen, es konnte auch nach dem sorgfältigsten Schließen nicht verhindern, dass sich der Küchenschrank immer noch so weit öffnen ließ, dass Kinderhände zumindest hineinlangen konnten.

Deshalb scheint es uns ratsam, gefährliche Gegenstände und Substanzen an sicheren Orten und hinter abschließbaren Türen aufzubewahren. Allein ein hochgelegenes Fach in einem Schrank oder Regal reicht natürlich nicht aus, wenn man über Stühle, Tische oder Fensterbänke dorthin klettern kann.

Selbst in extrem flachem Wasser droht der Tod durch Ertrinken

Schon in wenige Zentimeter flachem Wasser besteht bei jungen Kindern die Gefahr zu ertrinken. Bis zu einem Alter von fünf Jahren fehlt den Kleinen nämlich noch der Reflex, sich alleine wieder aufzurichten, wenn sie mit dem Gesicht unter Wasser rutschen. Außerdem verkrampfen sich die Atemwege schon nach Sekunden so, dass sie an der Luft erst wieder durch Mund-zu-Mund-Beatmung geöffnet werden müssen.

Alternative Wannensitze?

Auch auf Wannensitze, in denen Junior alleine sitzen oder liegen kann, darf man sich nicht verlassen. Sie dienen dazu, die Arme der Eltern zu entlasten, und ermöglichen, das Kind mit beiden Händen zu waschen. Einen Nachteil haben aber alle diese Konstruktionen: An den Po, der bei Kleinkindern nun mal am häufigsten sauber gemacht werden muss, gelangt man natürlich nicht, wenn der Nachwuchs gerade darauf sitzt!

Sind kindersichere Flaschenverschlüsse kindersicher?

Nicht nur Messer, Gabel, Schere, Licht oder – schlimmer noch – Rasierklingen sind für kleine Kinder nicht geeignet. Auch Putzmittel, Kosmetika und Arzneimittel müssen trotz vorgeschriebener Kindersicherungen außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Denn unsinnigerweise müssen die Verschlüsse bei Tests nur von 85 % der Kinder nicht geöffnet werden können. Wer geschickter ist, trägt folglich ein höheres Risiko. Abschließbare Schränke für Medikamente, Reinigungsmittel oder Kosmetika sind also unverzichtbar.

Gefahrenquelle Strom
Elektrogeräte haben im Bad nichts zu suchen, selbst Haartrockner und Rasierapparat müssen nach dem Gebrauch wieder kindersicher weggepackt werden. Jedes angeschlossene Gerät, selbst wenn es gerade abgeschaltet ist, steht unter Spannung – nämlich bis zum Schalter. Es braucht gar nicht komplett ins Wasser zu fallen, sondern nur unglücklich mit Flüssigkeit in Berührung zu kommen, damit es einen elektrischen Schlag gibt.

Deshalb sollte für jedes Zimmer ein so genannter FI-Schutzschalter ins elektrische System eingebaut werden. Diese Fehlerstrom-Sicherung unterbricht den Stromkreis bei einem Kurzschluss innerhalb von 0,03 Sekunden und kann so zumindest Herzstillstand und das riskante Herzkammerflimmern verhindern.

Damit es jedoch gar nicht erst zu Kontakt mit dem Strom kommt, gehören zusätzlich Kindersicherungen in alle Steckdosen der Wohnung – und zwar nicht nur in die Anschlüsse an der Wand, sondern auch in Verteilersteckdosen und an Verlängerungskabel. Elektrogeräte mit Lüftungsschlitzen, sollten so aufgestellt werden, dass die Kleinen nicht in den Öffnungen herumstochern können.

Vergiftungsgefahr bei vielem, was so rumsteht

Alles, was die Großen machen, finden Kinder erst einmal interessant und wollen es auch ausprobieren. Alkohol oder Zigaretten, die achtlos in der Wohnung liegengelassen werden, können so zur Gefahr werden. Für den jungen Organismus sind solche Substanzen lebensbedrohlich, und deshalb sollten sie sicher vor dem Zugriff der Kleinen aufbewahrt werden. Selbst ein paar Tropfen Parfüm, ja sogar ein Schluck Babyöl können gefährlich sein.

Schutzgitter für Blumentöpfe sollen verhindern, dass Kinder die Erde ausbuddeln können. Diese Plastikringe lassen sich aber nicht unter jeder Pflanze anbringen. Bei den zahlreichen Stängeln eines Alpenveilchens z.B. funktioniert es nicht. Gerade hier wäre es aber sinnvoll, denn die Knolle ist giftig: acht Gramm gelten bereits als tödliche Dosis.

Schon bei einfacher Berührung kann auch der aggressive Pflanzensaft der Dieffenbachie übertragen werden und starke Hautreizungen auslösen. Übelkeit, Durchfall und sogar Herzrhythmusstörungen drohen beim Verzehr. Gelangt die Flüssigkeit gar ins Auge, kann es auch zu Verätzungen der Netzhaut kommen.
Übelkeit, Erbrechen und Magenschmerzen sind die Folgen, wenn man von den Früchten des Korallenbäumchens isst. In Extremfällen kann es zur Atemlähmung kommen.

Am besten man verzichtet ganz auf solch gefährliche Gewächse, wenn Kinder im Haus leben. Eine ausführliche Liste von giftigen Pflanzen gibt es auf der Webseite der Giftinformationszentrale Bonn: www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/pflanidx.html.

Möbel ohne bedrohliche Kanten und Absturzgefahr
Mit etwas Aufwand kann man auch die Möbel kindersicherer machen. Um scharfe Kanten abzupolstern, gibt es Kunststoffaufsätze in den unterschiedlichsten Größen und Ausführungen. Eine Klammer aus Schaumstoff hilft, dass sich Kinder ihre Finger nicht in zuschlagenden Türen klemmen können.

Regale sollten fest mit der Wand verschraubt werden, denn sie laden zum Hochklettern ein. Die jungen “Bergsteiger” fallen dabei nicht nur rücklings aus beachtlicher Höhe zu Boden, sondern das Regal samt Inhalt kann auch noch auf sie herabstürzen.

Ein weiterer Tipp: In den oberen Fächern sollten grundsätzlich nicht gerade der Lieblingsteddy oder oft benutztes Spielzeug zum Aufstieg locken. Auch Hochbetten müssen mit starken Dübeln an die Wand geschraubt werden, die Absturzschutzgitter müssen mindestens eine Höhe von 16 cm ab Matratzenoberkante haben. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen fordert sogar 40 cm.

Schutzmaßnahmen am Fenster

Absturz droht auch, wenn Fenster und Balkontüren achtlos offen gelassen werden. Gerade beim Fensterputzen darf man sich deshalb nicht ablenken lassen und sollte vor jeder Pause dafür sorgen, dass alle Türen und Fenster fest verschlossen sind.

Auch in Lüftungsstellung gekippte Fenster stellen eine Gefahr dar. Wenn sich ein Kind dort zwischen Fenster und Rahmen einklemmt, kann es sich nicht selbst befreien. Noch mehr Sicherheit bieten abschließbare Verriegelungen – vorausgesetzt man bewahrt die Schlüssel auch an wirklich sicheren Orten auf.

Todesfalle Balkon

Damit die kleinen Entdecker nicht über Balkonbrüstungen klettern können, müssen diese Konstruktionen heute strengen Bauvorschriften entsprechen. Waagerechte Streben dürfen sich nicht wie eine Leiter zum Hochklettern eignen. Und bei senkrechten Gittern darf der Abstand der Sprossen nicht mehr als zehn Zentimeter betragen, damit selbst von kleingewachsenen Kindern weder Kopf noch Körper hindurch passen.

So manche ältere Konstruktion erfüllt diese Vorgaben allerdings nicht. Gerade schöne Altbauwohnungen haben häufig Balkongitter, die sich bestens zum Klettern eignen. Damit die Kleinen hier keinen Fuß fassen können, müssen die Streben fest verkleidet werden. Diese Maßnahmen sind allerdings nutzlos, wenn auf dem Balkon Tische oder Stühle stehen, die als Kletterhilfen dienen könnten.

Auch Treppen sollten zumindest während der ersten Jahre mit Gittern gesichert werden, damit es möglichst nicht zu gefährlichen Stürzen kommt.

Kaufen Sie sich die richtigen Sicherungen zusammen!
Die Firma “Helly” bietet verschiedene Sicherheitspakete über den Internetversender “www.my-toys.de” an – fürs Wohnzimmer, fürs Kinderzimmer oder für Balkon und Terrasse. Im Paket fürs Wohnzimmer befinden sich jedoch nur vier Steckdosenschützer. Das reicht gewiss nicht aus.

Stellen Sie sich die Artikel, die Sie brauchen, besser einzeln zusammen. Das ist meist sogar billiger, denn das Paket für Balkon und Terrasse kostet 25,95 Euro, das fürs Wohnzimmer 33,95 Euro und das fürs Kinderzimmer sogar 38,95 Euro.

Etwas besser sortiert und mit 18 Euro auch preisgünstiger ist die überall erhältliche Helly-Sicherheitsbox, die von der Stiftung Warentest im Heft 8/1992 schon mit “gut” bewertet wurde. Darin befinden sich unter anderem immerhin 12 Steckdosenschützer.

In Geschäften für Baby- und Kleinkinderausstattung finden Sie im Allgemeinen alles vom automatischen Türriegel bis zur Steckdosensicherung. Fehlerstromschutzschalter gibt es beim Elektrohändler, der die Installation auch fachgerecht ausführen muss.

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